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Wie ein symbolträchtiges Bauwerk eine kriegstraumatisierte Gesellschaft wieder einen soll.

Ein Zeichen für den Frieden

Elisabeth Samadinger

Stari Most, die Brücke von Mostar, hat Jahrhunderte lang allen Widrigkeiten getrotzt. Selbst zwei Weltkriegen und einem katastrophalen Hochwasser hielt sie stand. Ein Bauwerk für die Ewigkeit und stolzes Symbol der Verbindung von Okzident und Orient. Mit Entsetzen musste die Weltöffentlichkeit die Zerstörung dieser Brücke am 9. November 1993 mitansehen. Der Balkankrieg vernichtete nicht nur eine Brücke, sondern auch ein von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärtes Kulturdenkmal.

1556 bis 1566 von dem osmanischen Architekten Mimar Hajrudin erbaut, spannt sich die Stari Most über den Fluss Neretva und verbindet den West- mit dem Ostteil von Mostar. Schon zur Zeit der Errichtung galt die Brücke als einmalig: Eine Ein-bogenbrücke, die auf einer zu überspannenden Distanz von 27 Metern keinerlei Stützpfeiler benötigte, war ein Novum in der Baukunst. Alle Steinblöcke der Brücke wurden so mit Klammern und Zapfen aus Metall verbunden, dass diese von außen nicht sichtbar sind. So entdeckte man erst nach dem Zweiten Weltkrieg den raffinierten Einsatz von Hohlräumen zur Stabilisierung der Brücke.

Nach dem Krieg wurde beschlossen, die Brücke wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Als Symbol für ein neues, friedliches Zusammenleben der mehrheitlich kroatischstämmigen Menschen im Westen der Stadt mit den bosnischstämmigen im Osten. Dieser Ansatz der Völkerverständigung diente nach dem Wiederaufbau der Brücke im Jahr 2004 dem österreichischen Architekten W. M. Pühringer als Ausgangspunkt für seine Vision: Die Gruppe Peace Connection Mostar 3000 möchte auf die besonderen Probleme des Aufbaus und der Versöhnung der katholischen und muslimischen Bevölkerungsteile hinweisen.
Brückenschlag zwischen Alt und Neu

Im Jahr 2008 soll eine zehnmonatige Kunstaktion für Aufsehen sorgen: Geplant ist die temporäre Überbauung der Brücke. Pühringer überhöht mit den künstlerischen Mitteln seiner Skulptur den Symbolcharakter der Brücke und will damit einen positiv besetzten Blick der Weltöffentlichkeit auf die Stadt Mostar lenken. Auf ihre einzigartige Historie, aber auch auf ihre aktuellen Probleme. In der praktischen Umsetzung setzt der Künstler voll auf die Materialien jener Kraft, die einst den Untergang der Brücke von Mostar besiegelte: den Krieg. Stahl, Titan und Messing stellen Bestandteile der Skulptur dar. Der Blick auf die ursprüngliche Stari Most bleibt erhalten, wird ergänzt durch den Überbau. Zusammengenommen erschließt sich dem Betrachter die Einheit von Altem und Wiederaufgebautem, eine Brücke, die aus der Vergangenheit in die Zukunft führt. Ein neues Konzept, geboren aus der Zerstörung. Ansporn zu neuer Gestaltung und neuem Zusammenleben, gleichsam geschützt durch die Flügel der Geschichte.

Obwohl die Normalität langsam wieder Einzug hält in die Stadt Mostar, sind die alten Wunden allgegenwärtig. Es bedarf noch weiterer Unternehmungen, um die Stadt und ihre Bewohner zu neuer Blüte zu führen. Man sagt, Brücken können trennen, aber auch verbinden. Mit Blick auf Mostar kann man nur hoffen, dass sich die Menschen auf die einstige Bedeutung der Brücke rückbesinnen. Dass bereits die Touristen in die Stadt an der Neretva zurückkehren, ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität. Es bleibt zu hoffen, dass man nicht auf halbem Wege stehen bleibt.